Florens van Zwieten war Angehöriger des niederländischen Adelsgeschlechtes Van Zwieten und beteiligte sich auf Seiten von Albrecht von Bayern im Krieg gegen die Friesen als Kaperfahrer. Bei seinen Unternehmungen kamen darüber hinaus auch Bürger des Stiftes Utrecht zu Schaden. Dem mittelalterlichen Fehderecht zufolge waren diese durch ihren Handel mit den Friesen legitime Angriffsziele der Holländer.

Leben

Namensvarianten: Floris, das Adelsgeschlecht taucht in der Frühen Neuzeit zudem unter dem Namen "Van Swieten" auf.

Lebensdaten: quellennotorisch von 1396 bis 1399

Herkunft: Niederlande, womöglich aus dem Umfeld von Leiden

Tätigkeitsgebiet: Nordsee vor Friesland und der Niederlande, womöglich insbesondere das Marsdiep

Verwandtschaft: Dirk van Zwieten, Clais van Zwieten, Gillis van Zwieten

Tätigkeiten

Aktivitäten als Gewaltakteur:

Florenz van Zwieten kaperte im Dezember 1396 ein neues Schiff von Johan Tydekens Sohn und dessen Mannschaft und zerstörte es. Der Schaden belief sich auf 36 Gulden.[1] Die Praxis, ein gekapertes Schiff direkt zu zerstören, ist äußerst unüblich.

Im Oktober 1398 erhielt er die Erlaubnis, gefangene Friesen zur sicheren Aufbewahrung nach Holland zu fahren.[2] Entweder hatte er im Feindesgebiet durch militärische Aktionen Gefangene gemacht, oder war als Schiffer nur für den Transport zuständig. Erstere Theorie liegt jedoch näher, da er als Angehöriger des Niederadels und offenbar überaus fähiger Streiter ein typisches Verhalten für seinesgleichen begangen hätte. Nach erfolgreichen Manövern wurden häufig Gefangene genommen, um Lösegeldsummen zu erpressen.

Zusammen mit seinem Gefolge, bestehend aus Pauwels, Henric Mouwer, Jacob Ghisekens Sohn, Henric vander Spoele und Reyner Voet, nahm er im August 1399 Arnt Henrics Sohn gefangen und nahm ihm 11 Gulden sowie seine Felle im Wert von 28 Gulden ab. Diese Komplizen werden namentlich in der Quelle als Knechte genannt. Es werden aber noch mehr Personen an Bord gewesen sein. Entweder waren nur jene Männer namentlich bekannt, oder es handelt sich um einen erhabenen Kreis von Lehnsmännern oder anderweitigen Dienern des Florens van Zwieten.

Des Weiteren kaperten sie das Schiff von Henric Johans Sohn, auf welchem Utrechter Roggen geladen war. Obwohl das Schiff sowie der Roggen später wieder nach Utrecht kamen, entstand ein Schaden von 14 Gulden.[3] Häufig wurden ähnliche Konflikte auf diese Art gelöst. Eine außergerichtliche Einigung war für beide Parteien oft mit weniger Aufwand verbunden. Dies setzt jedoch voraus, dass Henric Johans Sohn seine Ansprüche noch zuvor bei Florens van Zwieten geltend machen konnte.

Status: Kaperfahrer

Fahrgemeinschaften: Pauwels, Henric Mouwer, Jacob Ghisekens Sohn, Henric vander Spoele und Reyner Voet

Auftraggeber: Albrecht von Bayern

Geschädigte: Johan Tydeneks Sohns und seine Mannschaft, Arnt Henrics Sohn, Henric Johans Sohn, Friesische Gefangene bzw. generell Friesen

Angaben zu Schiff und Besatzung: Pauwels, Henric Mouwer, Jacob Ghisekens Sohn, Henric vander Spoele und Reyner Voet

Sonstige Tätigkeiten: transportierte offenbar friesische Gefangene; dies lässt militärische Aktionen in Friesland vermuten

Dokumentation der Recherche

Ohne Ergebnis gesucht in:

Hanseakten aus England

HR Bd. 3, 4, 5

HUB Bd. 4, 5

Kämmereirechnungen der Stadt Hamburg Band 1

Ostfriesisches Urkundebuch Band 1

Bremisches Urkundenbuch, Bd. 4

Liv-, Est-, und Curländisches Urkundenbuch, 17 Bde.

Mecklenburgisches Urkundenbuch, Bde. 1-25

Calendar of charter rolls 1341-1417

Close Rolls Vol. IX-XI

Fine Rolls Vol. 10-13

Sonstiges

Das Adelsgeschlecht Van Zwieten taucht bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts urkundlich auf. Die Familie besaß ein Schloss im Dorf Souterwoude in der Nähe von Leiden. Das niederländische Wort Swet / Zwet für "Grenzgraben" könnte auf Zusammenhänge mit dem Namen des Geschlechtes sowie des Dorfes hinweisen. Bekanntester Vertreter der Familie ist Gerald Van Zwieten, ein Mediziner des 18. Jahrhunderts.[4]

Die Verwandten des Florens van Zwieten betätigten sich im selben Zeithorizont noch tatkräftiger in der Kaperfahrt als er selbst, wie aus den Quellen hervorgeht. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Familie zu dieser Zeit sich besonders in diesem Tätigkeitsfeld hervortat und womöglich sogar Karriere machte. Damit wären die Van Zwieten ein exemplarisches Beispiel für die Bindung des Niederadels an den Landesherren durch Beschäftigung als maritimer Gewaltakteur um 1400.

Die zu Schaden gekommenen Utrechter Stiftsleute klagten im November 1399 auf Schadensersatz. Jedoch gelang es Albrecht von Bayern die Verhandlungen bis Pfingsten nächsten Jahres hinauszuzögern. Die bis dahin garantierte Immunität vor weiteren Übergriffen der holländischen Kapferfahrer mussten die Stiftsleute mit dem Verzicht auf Selbstjustiz sowie auf weiteren Handel mit den Friesen teuer bezahlen.[5] Auf diese Weise gelang es Albrecht von Bayern, seine Feinde handelstechnisch zu isolieren. Händler, die sich in diesem Konflikt neutral verhalten wollten, mussten andere Märkte erschließen. Ohne Parteinahme für eine Seite wurden sie von beiden womöglich als Feind angesehen und Opfer von entsprechenden Übergriffen.

Quellen

Verwijs, Eelco: De oorlogen van hertog Albrecht van Beieren met de Friezen in de laatste jaren der XIV.

Literatur

Lindeboom, G. A.: Zur Genealogie von Gerald von Swieten. In: Clio Medica. Acta Academiae Internationalis Historiae Medicinae. Vol. 9. S. 45 - 49.


Einzelnachweise

  1. Verwijs, Eelco: De oorlogen van hertog Albrecht van Beieren met de Friezen in de laatste jaren der XIV. S. 342.

  2. Verwijs, Eelco: De oorlogen van hertog Albrecht van Beieren met de Friezen in de laatste jaren der XIV. S. LXIV.

  3. Verwijs, Eelco: De oorlogen van hertog Albrecht van Beieren met de Friezen in de laatste jaren der XIV. S. 357.

  4. Lindeboom, G. A.: Zur Genealogie von Gerald von Swieten. In: Clio Medica. Acta Academiae Internationalis Historiae Medicinae. Vol. 9. S. 45 - 49.

  5. Verwijs, Eelco: De oorlogen van hertog Albrecht van Beieren met de Friezen in de laatste jaren der XIV. S 358 - 359.


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